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Versicherungsguide für Absolventen:

Sobald das Studium beendet wird, kommt auf den Absolvent die Frage zu, welche Versicherungen unbedingt abgeschlossen werden müssen. Die Versicherung über die Eltern ist mit der Exmatrikulation nicht mehr möglich. Mit dem Einstieg in das Berufsleben ist man zwar sozialversichert, aber das ist nicht mehr als eine Grundvorsorge. Daher lässt es sich nicht umgehen, zusätzliche Versicherungen abzuschließen und auch an die private Altersvorsorge zu denken.

Einführung:

Dieser Artikel gliedert sich in drei Bereiche:

1)      Unbedingt erforderliche Versicherungen:

2)      Optionale Versicherungen:

3)      Private Altersvorsorge:

Am Ende eines jeden Punktes wird eine Empfehlung abgegeben. Bei extrem wichtigen Versicherungen oder Altersvorsorgeprodukten werden fünf Plusse “+++++” vergeben, bei nicht empfehlenswerten ein Plus “+”.

„Must have” Versicherungen:

Die absolut notwendigen Versicherungen sind unter diesen Punkt beschrieben.

Krankenversicherung:

Eine Krankenversicherung bietet Schutz vor den Kosten, welche durch ärztliche Behandlung entstehen können. Dabei können sich gewaltige Rechnungen summieren, die aus eigener Hand gar nicht zu zahlen sind. Aus diesem Grund ist einen Krankenversicherung, ob privat oder gesetzlich, ein Muss.

Absolvent: Wird das Studium vor der Vollendung des 25. Lebensjahres abgeschlossen, ist eine Mitversicherung über die Familie ab der Exmatrikulation nicht mehr möglich. Falls man nach dem 25. Lebensjahr sein Studium abgeschlossen hat, fällt man auch aus der studentischen Krankenversicherung. Somit muss auf jeden Fall eine eigene Krankenversicherung abgeschlossen werden.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob eine private Krankenversicherung (PKV) oder eine gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abgeschlossen werden soll. Um eine PKV abschließen zu können, muss man jedoch 3 Jahre über 48.600 EUR/Jahr verdient haben. Falls dies zutrifft, ist nach dem Studium ist eine PKV relativ billig, jedoch wird diese Versicherung mit einer Familie teuer, da es hier keine Familienversicherung wie bei GKV gibt. Ferner ist zu bedenken, dass der Wechsel von einer PKV in eine GKV kaum möglich ist. Ein Kompromiss wäre eine GKV mit einer Privaten Zusatzversicherung (Krankenhaus und Zahnersatz).

Private Haftpflichtversicherung:

Eine private Haftpflichtversicherung tritt dann ein, wenn Dritten unabsichtlich Schäden zugefügt werden. Im Schadensfall haftet man nicht mit seinem eigenen Vermögen, und aus diesem Grund ist die private Haftpflichtversicherung ein absolutes „must have”.

Studenten sind normalerweise über die Eltern haftpflichtversichert. Bei den meisten Versicherungen ist der Schutz über die Eltern bis zum Ende der ersten Ausbildung möglich (bei einigen Versicherern begrenzt auf das 25. Lebensjahr). Jedoch erlischt dieser Schutz mit der Exmatrikulation.

Eine Private Haftpflichtversicherung mit sehr gutem Schutz können alleinstehende Absolventen schon für 50 EUR im Monat abschließen. Genaue Informationen, welche Klauseln die Versicherung beinhalten sollte, gibt es unter Finanzkommune “Private Haftpflichtversicherung”. Dort werden auch die besten Versicherer laut Finanztest genannt.

Berufsunfähigkeitsversicherung:

Statistisch gesehen trifft eine Berufsunfähigkeit bis zum Alter von 65 Jahren 43% der heute 20-jährigen Männern und 38% der 20-jährigen Frauen (vgl. Statista).

Von staatlicher Seite wurde die Berufsunfähigkeits-Rente durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt. Die Erwerbsminderungsrente liegt im Höchstsatz bei 750 EUR, was zum Leben auf jeden Fall zu wenig ist. Um den Höchstsatz zu bekommen, muss man sich nicht mehr rühren können. Ansonsten wird verlangt, dass jede X-beliebige Arbeit ausgeführt wird, bevor die Erwerbsminderungsrente gezahlt wird. Übertragen auf den Absolvent heißt das, dass er nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr im Büro arbeiten kann, sondern als Nachtwächter sein Geld verdienen muss. Eine BU-Versicherung tritt mit dem Verzicht der Klausel „Abstrakte Verweisung” auch dann schon ein, wenn der bisher ausgeübte Beruf nicht mehr ausgeführt werden kann.  Somit trägt eine BU-Versicherung dazu bei, den Lebensstandart einigermaßen halten zu können und ist daher ein „Must”. Der Absolvent hat sogar noch den Vorteil, dass er im Normalfall in die beste Risikoklasse kommt, und aufgrund der guten Berufschancen und eines niedrigen Verletzungsrisikos niedrige Beiträge zahlt.

Es wird empfohlen, eine BU-Versicherung über 70% des Nettoeinkommens abzuschließen, was bei Absolventen meist zwischen 1.500-2.000 EUR liegt. Ausführliche Informationen, was unbedingt in einem BU-Vertrag stehen muss, gibt es in dem weiterführenden Artikel „Berufsunfähigkeit”.

Bei einem Basisschutz von 2.ooo EUR mit Versicherungsnehmer-freundlichen Klauseln kostet eine BU-Versicherung für Männer um die 450 EUR im Jahr, Frauen legen nochmals 100 EUR drauf. Dies allerdings nur unter diesen Annahmen: Nichtrauchertarif, Schutz bis 65 Jahre, Abschlussalter 25 Jahre, angenommene kaufmännische Tätigkeit. Diese Angaben beruhen auf „Cosmos direkt”, welche meiner Meinung nach, die zurzeit günstigsten Angebote auf dem Markt hat. Testsieger von Stiftung Warentest gibt es ebenfalls im Artikel „Berufsunfähigkeit”.

Optionale Versicherungen:

Risiko-Lebensversicherung:

Für Absolventen kommt die Risiko-Lebensversicherung vorerst wahrscheinlich nicht in Frage, außer es stehen konkrete Familienplanungen an. Das ist eine typische Versicherung, die sich auch noch mit 30-35 Jahren abschließen lässt, falls dann die Notwendigkeit eintritt.

Eine Risiko-Lebensversicherung soll den Todesfall absichern und den Hinterbliebenen über das gröbste hinweghelfen. Diese Versicherung darf nicht mit einer Kapitalanlage verwechselt werden. Sie zahlt wirklich nur, wenn es zum Todesfall kommt. Eine Risiko-Lebensversicherung macht besonders dann Sinn, wenn es jemand es jemand zum Absichern gibt, wie ein Ehepartner und Kinder.

Es wird empfohlen, die Versicherungssumme auf das 4-5 fache des Jahresgehalts festzulegen. Der jährliche Beitrag (Versicherungssumme von 150.000 EUR, Versicherungsabschluss 35 Jahre, Nichtrauchertarif), liegt bei Männer bei ca. 250-300 EUR, bei Frauen ist dies leicht billiger. Mehr dazu unter Finanzkommune Risiko-Lebensversicherung.

Empfehlung Risiko-Lebensversicherung für alleinstehende Absolventen: +

Empfehlung Risiko-Lebensversicherung sobald konkret Familie geplant ist: ++++

Unfallversicherung:

Ca. 90% aller Fälle von Berufsunfähigkeit kommen nicht durch einen Unfall, sondern durch eine Krankheit zustande. Aus diesem Grund ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung ein „Must” und nicht die Unfallversicherung (vgl. Vorsorge&Finanzen).

Die Unfallversicherung tritt bei Unfällen ein, die eine bleibende Behinderung  zur Folge haben. Die Versicherung zahlt hierzu eine einmal Summe aus. Sinnvoll ist eine Unfallversicherung nur für Personen, die keine anerkannte Berufstätigkeit ausüben (Hausfrau, Student…). Diese Personengruppe hat keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente bzw. können aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung keine Rentenansprüche geltend machen (BR-online). Für alle anderen, auch für Absolventen, ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung essentieller, weil sie neben dem Risiko Unfall auch das Risiko Krankheit abdeckt.

Empfehlung Unfallversicherung: +

Rechtschutzversicherung:

Eine Rechtschutzversicherung ist nicht unbedingt erforderlich. Allerdings müssen bei einem Rechtstreit mit dem Arbeitgeber, Vermietern oder im Straßenverkehr große Summe aufgewendet werden. Eine Rechtschutzversicherung übernimmt diese Ausgaben, wie Anwalts- oder Gerichtskosten, Ausgaben für Gutachten oder für Zeugen.

Trotzdem sollte sich der Absolvent überlegen, welche Rechtschutzversicherung er wirklich braucht. Je weniger versichert wird, umso billiger ist die Versicherung. Es gibt Privat, Berufs, Verkehrs und Mieter/Vermieter Rechtschutzpolicen.

Ein Verkehrsrechtschutz lohnt sich auf alle Fälle, selbst wenn kein eigenes Fahrzeug besessen wird. Kosten pro Jahr liegen hier bei etwa 60 EUR (Huk 24). Wenn das Auto noch über die Eltern als Zweitwagen abgesichert ist, ist man in den meisten Fällen über die Police der Eltern versichert. Eine Berufsrechtsschutzversicherung lohnt sich vor allem dann, wenn Entlassungen anstehen. In der derzeitigen Wirtschaftslage kann ein Rechtsschutz ein wertvolles Plus bei Aufhebungsverträgen oder angestrebten Kündigungen geben. Oft wird diese Police zusammen mit dem Privatrechtschutz angeboten und ist bei der WGV für 120 EUR/Jahr zu haben. Mieter und Vermieterrechtschutz ist meist relativ teuer und wird als Zusatzversicherung angeboten. Hier sollte allerdings überlegt werden, ob es tatsächlich nötig ist. Natürlich gibt es auch Rechtschutzversicherungen die alle Bereiche versichern. Die billigste, noch empfehlenswerte Kombi ist von der WGV mit 142 EUR, plus Mieter/Vermieterrechtschutz 37 EUR.

Genaue Testergebnisse und Informationen für die unterschiedlichen Rechtschutzversicherungsbereiche gibt es unter Finanzkommune „Rechtsschutzversicherung”.

Empfehlung Rechtschutzversicherung: +++

Private Altersvorsorge:

Karriere.de empfiehlt mindestens 10% seines Nettogehalts in die private Altersvorsorge zu stecken. Zwischen 25 und 30 Jahren solle man spätestens anfangen, in seine Altersvorsorge zu investieren.

50 % der Versicherten in einer gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) zwischen 20 und 35 Jahren haben Rentenansprüche von weniger als 958 Euro - das entspricht einer Ersatzquote von weniger als 36,1 Prozent (siehe Spiegel). Aus diesem Grund ist die private Altersvorsorge gerade bei Absolventen essentiell.

Ansonsten gehen wertvolle Zinseffekte verloren. Experten von Finanztest gehen davon aus, dass im Alter  80 % des letzten Nettogehalts zur Verfügung stehen sollten (siehe Finanztest). Finanztest hat ebenfalls einen Renten-Rechner erstellt, mit welcher Summe fürs Alter privat vorgesorgt werden sollte.

Riester Rente:

“Riestern” darf jeder, der Beiträge in die Rentenversicherung zahlt. Wenn 4% des Vorjahreseinkommens (max. 2.100 EUR) eingezahlt werden, gibt es nochmals 154 EUR vom Staat drauf. Für Kinder, die nach 2008 geboren werden, gibt es pro Kind nochmals 300 EUR. Der große Vorteil am „Riestern” ist die Garantie, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge und die staatlichen Zulagen voll zur Verfügung stehen. Ausführliche Infos zur Riester-Rente gibt es in einem weiterführenden Artikel.

Empfehlung Riester-Rente: +++++

Rürup Rente:

Falls die Riester-Rente aufgrund des Beschäftigungsverhältnisses nicht möglich ist, kann man sich eine Rürup Rente überlegen. Hier werden sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (zum Beispiel Selbständige) vom Staat bei der Altersvorsorge steuerlich begünstigst.

Bei der Rürup-Rente können Alleinstehende den Höchstbetrag von 20.000 EUR, Ehepaare 40.000 EUR jährlich einzahlen, um die volle Steuererleichterung zu bekommen. Diese Summe wird steuerlich begünstigt, da sie als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer angerechnet werden und so dass zu versteuernde Einkommen mindern. Bis 2025 können die Beiträge nur zu einem bestimmten Prozentsatz von der Steuer abgezogen werden (siehe Finanzkommune Rürup-Rente).

Empfehlung Rürup-Rente falls Selbständig: +++

Immobilienkauf:

Im Alter mietfrei zu wohnen, dass ist der hauptsächliche Grund, warum eine Immobilie gekauft wird. Somit erhöht sich im Alter die Rente, da keine Miete gezahlt werden muss. Auch ein Verkauf ist in attraktiven Wohngegenden kein Problem und es ist auch davon auszugehen, dass die Immobilie nicht an Wert verliert. Vor allem Häuser und Wohnungen im ländlichen Raum werden weiter an Wert verlieren, dagegen wird es Wohnungsnot geben und somit auch Preissteigerungen (siehe Zeit). Um ein Immobilienkauf finanzieren zu können, lohnt es sich für Absolventen vielleicht ein Bausparvertrag abzuschließen.

Empfehlung Immobilienkauf: +++++

Betriebliche Rentenversicherung:

Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt „Ohne Extraleistungen des Arbeitgebers ist es in der Regel empfehlenswert, zunächst die Fördermöglichkeiten der „Riester”-Rente auszuschöpfen und erst danach - wenn noch finanzieller Spielraum besteht - die Betriebliche Rentenversicherung zu nutzen”.

Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge werden durch den Arbeitgeber oder durch die Entgeltumwandlung durch den Arbeitnehmer geleistet (vgl. Monetos). Hierzu muss der Arbeitnehmer einen Gehaltsanteil in die eigene Altersvorsorge finanzieren, damit es zu einer steuerlichen Förderung kommt. Dies bedeutet, dass ein Teil des Gehaltes, meist sind dies Sonderzahlungen wie Weihnachts-, Urlaubsgeld etc., dafür genutzt wird, um für die private Rente zu sparen. Die Abwicklung erfolgt zwischen Firma und einem Finanzdienstleistungsunternehmen. Attraktive Arbeitgeber bezuschussen sogar noch die Altersvorsorge der Mitarbeiter. Auch hier gibt es einen garantierten Zinssatz von 2,25%.

Finanztest schließt sich der Meinung der Verbrauchezentrale an. Aber die Betriebsrente sei attraktiver als beispielsweise eine private Rentenversicherung.

Empfehlung Betriebliche Rentenversicherung: ++++

Kapitallebensversichrungen:

Bei Vertragsabschluss wird festgelegt,  wer im Todesfall von der Versicherung einmalig eine bestimmte Geldsumme (”Todesfallleistung”) erhält. Im „Erlebensfall” bekommt der Versicherungsnehmer am Ende der Vertragslaufzeit von seinem Versicherer eine Geldsumme, die sich aus einem garantierten und einem variablen Teil zusammensetzt. Kapital-Lebensversicherungen sind eine sichere Anlage, da meist in festverzinsliche Wertpapiere investiert wird. Allerdings wird nicht auf die ganze eingezahlte Summe Ertragszinsen gezahlt. Viel Geld geht für Provisionen, dem Todesfallschutz und sonstigen Gebühren verloren, und die Rendite ist daher massig. Allenfalls ist eine Kapitallebensversicherung eine sinnvolle Anlage, wenn nicht vorzeitig gekündigt wird. Von Verbraucherschützern und dem „Finanztest” wird sie nicht empfohlen. Näheres gibt es unter Finanzkommune Kapital-Lebensversicherung.

Empfehlung Kapital-Lebensversicherung: ++


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